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Rendel-Kanonenboote

In der Schlacht von Weihawei (Order of Battle Weihawei) wurden eine Reihe kleinerer Kampfboote eingesetzt. Dabei waren Torpedoboote sowie ein besonderer Typ von Kanonenbooten, den sogenannten Rendel-type Gunboats oder auch Flat-iron Gunboats. Das soll hier zum Anlass genommen werden, diesen Typ vorzustellen. Mehr Hintergrund zu Weihawei von Lars Scharff und die wesentlichen Teile meines Aufsatzes hier findet man auch auf modellmarine.de.



George Rendel übernahm 1867 die Verantwortung für ein gemeinsames Unternehmen des Waffenherstellers Armstrong und des Schiffsbauers Mitchell. Unter seiner Führung entstand ein Kanonenboot-Design zur Küstenverteidung. Es vereinte eine kompakte Bauweise mit einer grossen Vorderlader-Kanone. Diese wurde im Bug eingebaut, es wurde mit dem gesamten Bootskörper gezielt. Dabei handelte es sich vorwiegend um Boote mit etwa 30m Länge und einer Verdrängung von 250t. Eine weitere typische Grösse waren 450t, aber selbst Kreuzer wurden schliesslich nach dem Grundprinzip schwerer Waffen auf einem leichten Rumpf entworfen, so zum Beispiel die Naniwa (siehe auf Modellmarine).

Der Spitzname Flat-iron Gunboat rührte vom Aussehen der Bügeleisen der Zeit.

Entworfen in England fand der Typ grosse Verbreitung weltweit - teils in England gebaut, teils aber auch von lokalen Werften. Einige davon werden im Modell vorgestellt.

China

Zwischen 1875 und 1880 kaufte China in England 13 Rendel-Boote. Die ersten beiden bildeten die Jiansheng-Klasse (250ts). Die weiteren waren nach Buchstaben des griechischen Alphabets benannt (420-450ts). Fusheng und Jiansheng gingen 1884 in der Schlacht von Fuzhou im Franz.-Chin.-Krieg verloren. Vier nahmen in der Schlacht am Yalu gegen die Japaner teil, die meisten wurden 1895 in Weihawei versenkt oder durch die Japaner erobert. Japan stellte einige davon bei der IJN in Dienst.

Der Bausatz "Fu Sheng, Chen Sheng" von Oceanmoon enthält die zwei kleinen Boote mit wenigen Teilen. Die Takelage und Seetuchverdecke muss man nach Bildern selbst gestalten. Dargestellt ist der Zustand 1884 bei der Schlacht von Fuzhou.



Der Bausatz "6 Kanonenboote" von Oceanmoon enthält 6 Boote der Epsilon/Iota-Klasse. Die Boote sind schön detailliert, auch hier muss man aber viel recherchieren. Bei den chinesischen (allerdings auch anderen) Rendels fällt die ausgeprägte Takelung auf, während die meisten Beschreibungen Rendels als ungetakelt bezeichnen. Es gibt Hinweise, dass die Takelung für die Überührung nach China aufgebaut wurde und dann schlicht dort verblieb. Bilder verschiedener Boote zeigen dabei einige individuelle Unterschiede. Hier dargestellt die Epsilon / Cheng Tung 1895 im Zustand von Weihawei und Zeta / Chen Hsi / Chinsei 1896 als japanische Beute.






Argentinien

Argentinien kaufte vier 416ts Rendel-Boote als Pilcomayo / Republica Klasse, bezeichnet als Bomarderas. In verschiedenen Funktionen wie Wassertanker, Leuchtfeuer, Pontons, U-Bootjäger oder Transporter dienten sie teils noch bis in die 1950er Jahre.

Von Brown Water Navy Miniatures gibt es auf Shapeways 3D-gedruckt die Pilcomayo-Klasse als 4er-Set unter den Bezeichnungen "1/600 Rendel Gunboats" und "1/1250 Pilcomayo Class Gunboats". Sie lassen sich sicher auch gut für Umbauten zu britischen oder anderen Rendels verwenden.



Deutschland

Die deutschen Panzerkanonenboote der Wespe-Klasse waren mit circa 1100t und 45m Länge mit die grössten Vertreter des Typs. Sie wurde als Modell bereits vorgestellt: SMS Wespe auf Modellmarine bzw. SMS Wespe hier lokal.

Einige der von den Niederlande und Norwegen gebauten Rendels waren in verschiedenen Funktionen noch beim deutschen Einmarsch 1940 im Dienst. Teils wurden sie in den Kämpfen sogar noch eingesetzt, so zum Beispiel Tyr und Uller. Einige davon wurden von der deutschen Marine anschliessend als Wachboote eingesetzt.

Dänemark

https://laststandonzombieisland.com/tag/wespe-class/

Grossbritanien

Last but not least das Geburtsland der Rendels.

Aus dem oben gezeigten Druck der Pilcomayo baute ich mit kleinen Änderungen die weit verbreitete Ant Klasse.

Fazit

Der Bau einiger Variationen dieses besonderen Schiffstyps hat grossen Spass gemacht. Da die Bausätze überzählige Modelle enthalten, bleibt einiges für weitere Umbauten. So werde ich vielleicht im Lauf der Zeit weitere Exemplare erstellen.




Eine vollständige Liste von mir verwendeter Quellen befindet sich in Weiteres/Literatur


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